NN 3/2000
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Nützliche Nachrichten 3/2000 - Inhalt

 Kommentar

Ausländerfeindlichkeit und notwendige Bündnisse

Andreas Buro

Seit September liegt in der taz eine deutsch-türkische Wochenzeitung mit dem Namen `Persembe` (Donnerstag) als Beilage bei. Das finde ich gut, denn damit werden die doppelten Bindungen der hier lebenden BürgerInnen mit Herkunft aus der Türkei signalisiert und Deutschen die Teilnahme an einer notwendigen gemeinsamen Diskussion ermöglicht. In Zeiten der Medienaufmerksamkeit für Ausländerfeindlichkeit und Rechtsradikalismus wird dieses Thema sogleich in der zweiten Ausgabe behandelt. Die Redaktion hat türkischstämmige Einwanderer gefragt, was sie über die rassistischen Attacken der Neonazis denken.

Ein Befragter antwortete: "Für die Ausländer hier ist der Rassismus angsteinflößend. Diese Entwicklungen erinnern die Ausländer an das, was während des 2. Weltkrieges in Deutschland passiert ist." Die Redaktion von `Persembe` schlussfolgert: "Über die Antworten sind wir erschrocken. Denn der Refrain lautet: Resignation. Einen Ausdruck von Hoffnung werden Sie vergeblich suchen. Aber wie soll ein Zusammenleben gehen, ohne Hoffnung?" Wie richtig!

Die Bedrohung unserer zugewanderten und hergeflohenen BürgerInnen reicht weit hinaus über die tatsächlichen Gewaltakte. Die latente Ausländerfeindlicheit aus der Mitte der Gesellschaft bis in die Spitzen der Politik ist deutlich spürbar. Die ständige potentielle Gefährdung wirkt sich auf die psychische Situation und den Rückzug in die eigenen Gruppe aus. Organisierung von Gegengewalt entfremdet nochmals und verhindert die bessere Einbettung in die deutsche Gesellschaft. Wie leicht entsteht ein Zirkel der scheinbaren Rechtfertigung von Ausländerfeindlichkeit und Gewalt.

Doch Resignation, wie `Persembe` sie feststellt, ist nicht die einzig mögliche Antwort auf Ausländerfeindlichkeit. Wäre es nicht vielmehr wichtig, Brücken zu schlagen und Bündnisse auf lokaler, regionaler und Länderebene mit denjenigen Kräften der bundesrepublikanischen Gesellschaft zu entwickeln, die verstanden haben, wie sehr Ausländerfeindlichkeit und damit gleichzeitig klammheimliche nationalistische Orientierung der Demokratisierung unserer Gesellschaft entgegen stehen?

Ein weiterer Schritt ist notwendig. Ausländerfeindlichkeit unterscheidet nicht zwischen Indern, Philippinos, Afrikanern, Türken und Mexikanern. Sie unterscheidet auch nicht zwischen Türken und Kurden. Ist es da nicht höchste Zeit, dass diese beiden Volksgruppen zumindest, die meist aus demselben Staate, der Türkei, nach Deutschland gekommen sind, sich miteinander gegen Ausländerfeindlichkeit stellen?

Allerdings müsste die türkische Seite dazu die Kurden als ein gleichberechtigtes Volk anerkennen - ein Millionen-Volk, das wiesie die Türkei bewohnt. Ausländerfeindlichkeit heißt doch, den anderen im Lande nicht anzuerkennen. Wie oft höre ich: Man habe ja nichts gegen die Türken, so lange sie in ihrem Lande bleiben. Wenn der ehemalige Präsident der Türkei Demireldie Kurden als "Bergtürken" bezeichnet, bedeutet dieses die Nichtanerkennung eines ganzen Volkes im Staatsgebiet. Wer sich gegen Ausländerfeindlichkeit in Deutschland glaubhaft wehren will, darf nicht die völkisch-rassistische Feindlichkeit der Herkunftsgesellschaft weiter mit sich herumtragen.

Die Gegenwart ist günstig für einen Wandel. Die Türkei will sich der EU anschließen. Dementsprechend ist eine lebhafte Diskussion um Reformen in der Türkei entbrannt. Die kurdische Guerilla hat ihren Kampf eingestellt und will eine friedliche und politische Lösung ihrer Anliegen im Rahmen des Nationalstaates Türkei erreichen. Der Separatismus ist von der Tagesordnung gestrichen. Viele Kurden sind zum Dialog bereit. Türkische Organisationen und Initiativen der türkischstämmigen BürgerInnen in Deutschland brauchen nicht zu resignieren. Sie können jetzt in die Zukunft weisende Beiträge leisten, um die deutsche und die eigene Ausländerfeindlichkeit zu überwinden. Hoffnung ist durchaus gerechtfertigt.



E-Mail: andreas.buro@gmx.de
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