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Der Dialog-Kreis stellt sich vor

Die Arbeit des Dialog-Kreises beruht auf einem Aufruf von wichtigen Personen aus Politik, Kultur, Wissenschaften, Kunst, Kirchen und Gewerkschaften. In ihrem Appell "Krieg in der Türkei - Die Zeit ist reif für eine politische Lösung" riefen sie zur Eröffnung eines europäischen Friedensdialogs auf. Aus dieser Initiative ist der Dialog-Kreis hervorgegangen, der sich um die Verwirklichung der Ziele des Appells bemüht. Diese Ziele werden vor allem mit dem Satz charakterisiert: "Freundschaft zur Türkei kann in dieser historischen Situation nur heißen, ihrer großen Gesellschaft aus Türken, Kurden, Armeniern, aus Moslems, Christen und vielen anderen Völkern und Religionen beizustehen, um Gespräche und Verhandlungen für das zukünftige, friedliche Zusammenleben endlich beginnen zu lassen."

Zusammenarbeit mit Partnern in der Türkei

Für die Arbeit des Dialog-Kreises ist wichtig: In der Türkei sind die Kräfte für die Demokratisierung nicht von der nationalistischen Welle erstickt worden, sondern melden sich trotz allem konstruktiv und bestimmt zu Wort. Wir haben also viele Partner für unsere Politik der Versöhnung. Der Kampf um die Entfaltung einer bürgerlichen Gesellschaft, die inder Türkei noch immer auf der Tagesordnung steht, ist mit der Friedensfrage eng verknüpft. Demokratie kann sich nicht unter Militäroberaufsicht entwickeln, während der Krieg die militärische Position ständig verstärkt und die sozio-ökonomischen Verhältnisse verschlechtert. Die Kräfte für Demokratisierung, für die Sicherung der Menschenrechte und für eine politische Friedenslösung haben also viele gemeinsame Interessen.

Auswirkungen auf Deutschland

Der Krieg in der Türkei wirkt sich auch in Deutschland erheblich aus. Wir haben eine große Gemeinde von Bürgern und Bürgerinnen türkischer und kurdischer Herkunft. Wir wenden uns gegen jegliche Ausländerfeindlichkeit und Rassendiskriminierung in unserem Lande. Wir wenden uns gegen religiöse Diffamierung und Vorstellungen von einen "Christlichen Abendland", in dem islamische Religion nichts zu suchen habe. Wir haben viele türkische und kurdische Freunde und setzen uns für die Freundschaft zur Türkei ein, auch wenn wir gegen deutsche Waffenlieferungen protestieren. Die Fortführung der innertürkischen Konflikte in unserem Lande behindern jedoch unsere Bemühungen erheblich. Wenn wir also für eine politische Lösung der Kurdenfrage eintreten, so formulieren wir ein Interesse von Deutschen ebenso wie von Türken und Kurden.

Vier strategische Aufgaben

Der Dialog-Kreis versucht auf möglichst vielen Ebenen das Gespräch zur Überwindung der jeweiligen Gegensätze zu vermitteln und zu fördern. Er arbeitet an vier grundsätzlichen Aufgaben:

Das in der Türkei noch immer herrschende Tabu einer offenen Diskussion über eine politische Lösung zu überwinden und die Menschen dort, die solche Vorschläge vortragen, durch internationale Öffentlichkeit zu schützen;

Den Appell auf andere Länder auszuweiten, damit sich Menschen aus vielen Gesellschaften daran beteiligen;

Die NATO-Regierungen, welche die engsten Beziehungen zu Ankara unterhalten, sind immer wieder auf eine politische Lösung hin anzusprechen und aufzufordern, dafür tätig zu werden;

Schließlich sollen in Deutschland mehr `Runde Tische` zwischen Deutschen, Türken und Kurden entstehen. Wir wollen uns dafür einsetzen, daß von ihnen die gemeinsame Forderung nach einer politischen Lösung und für die gleichberechtigte Behandlung von Kurden und Türken in Deutschland ausgeht.

Arbeitsformen des Kreises

Der Dialog-Kreis hat sich an türkische Politiker gewandt und deutsche Mandatsträger angesprochen. Er hat Symposien mit einer weiten politischen Beteiligung einberufen und sich an vielen Veranstaltungen beteiligt. Humanitäre Hilfe ist von ihm in Zusammenarbeit mit anderen für die besonders leidenden Gebiete der Kurden ausgegangen. Analysen, Flugschriften und innerdeutsche Korrespondenzen sind täglich Brot. Dauernde Kontakte mit politischen Stellen und Gruppierungen wurden gepflegt. Der Kreis gibt vierteljährlich die "Nützlichen Nachrichten" heraus, die ausgewählte Informationen über wichtige Ansätze und Zusammenhänge für den Dialog veröffentlichen. 1997 begann eine Broschürenreihe, in der Positionen zur Kurden- und Demokratiefrage zu Worte kommen. Der erste Text stammt von Mehmet Sahin und widmet sich der "friedlichen Lösung der Kurdenfrage". Die zweite Broschüre enthält wichtige Auszüge des TÜSIAD-Berichtes, indem sich Vertreter der türkischen Privatwirtschaft mit der Vorherrschaft des Militärs auseinander- und für konkrete Reform- und Friedensschritte einsetzen. Die Beispiele zeigen, es gibt sehr viel zu tun. Oft reichen die Mittel nicht aus, um alles Wünschenswerte tatsächlich aufzugreifen.

Keiner darf vom Dialog ausgeschlossen werden

Der Dialog-Kreis ist offen für Zusammenarbeit bei der Gestaltung des von ihm geforderten und geförderten europäischen Friedensdialogs. Dabei sind unterschiedliche Meinungen selbstverständlich. Wie sollte sonst eine Verständigung erreicht werden? Allerdings darf es auch kein Monopol auf `die türkische` oder `die kurdische` Position geben. Für den offenen Dialog ist das Verbot der PKK in Deutschland ausgesprochen schädlich, wird doch dadurch eine argumentative Auseinandersetzung mit dieser Position kriminalisiert.

Wer den Dialog will, wer für eine politische Lösung ist, darf selbst nicht Gewalt anwenden. Er macht sich sonst unglaubwürdig. Glaubwürdigkeit zu schaffen, ist aber von größter Bedeutung. Ohne Vertrauensbildung ist keine Kooperation zu erreichen.

Frieden in der Türkei ist möglich

Unser zu Ende gehendes Jahrhundert ist durch die großen Weltkriege wie auch durch innergesellschaftliche Kämpfe anti-kolonialen und sozialrevolutionären Charakters geprägt, die häufig ideologisch oder religiös überlagert waren. Eine enorme Rolle spielten bei der Bildung moderner Nationalstaaten Konflikte zwischen den jeweiligen ethnischen Gruppen, um ihre in jeder Hinsicht gleichberechtigte Teilhabe am neuen staatlichen Gemeinwesen. Die etwa 30 Kriege der Gegenwart gehen großteils auf diese Problematik zurück. Sie beeinträchtigen die Entwicklungschancen der Länder enorm und führen zur Zerrüttung von Ökonomie und Gesellschaft. Notwendig ist deshalb, dieethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt der Gesellschaften zu akzeptieren und politische Lösungen herbeizuführen.

Der seit langer Zeit militant ausgetragene Konflikt um die gleichberechtigte Anerkennung der in der Türkei lebenden Kurden ist ein typischer Fall dieser Art. Es ist höchste Zeit, den militärischen Kampf zu beenden und zu einer politischen Lösung zu gelangen, um noch größeren Schaden von der Gesellschaft in der Türkei abzuwenden.

Die Hindernisse auf dem Weg zum Frieden sind freilich groß. Aber gerade deshalb braucht es nicht nur langen Atem, sondern auch Anstrengungen der zivilen Konfliktbearbeitung von vielen Seiten aus, um schließlich das Ziel von Versöhnung und friedlicher Zusammenarbeit der Volksgruppen in Gleichberechtigung in einem gemeinsamen Staat erreichen zu können. Hierzu will der Kreis beitragen.

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